Bericht "Zwei Reisende, null Barrieren"

 

„Ich wollte gerne nach Italien reisen, ohne mich einer Reisegruppe anzuschließen. Die meisten Reiseveranstalter, die ich damals aufsuchte, konnten jedoch keine Assistenz für Einzelreisende anbieten“, erinnert sich Karin. „Dann stieß ich auf die BSK-Reisen GmbH. Ich überlegte mir, welche Anforderungen ich an die Begleitung stellen wollte. Beispielsweise sollte sie nicht träge sein und etwas Flexibilität mit sich bringen, da ich eine aktive Urlauberin bin und viel vom Land sehen möchte. Da ich eine Sprachbehinderung habe, erwarte ich ebenfalls, dass sie jedes Mal nachhakt, wenn sie mich nicht verstanden hat. Aus Erfahrung merke ich nämlich sofort, wenn mein Gegenüber aus Gemütlichkeit Verständnis vorspielt.“

Karin fand genau die richtige Assistenz, nämlich Irina, die eines Tages übers Internet auf den Reiseassistenz-Workshop gestoßen ist. Irina brachte ungewöhnlich viel Erfahrung mit sich: „Ich mache schon seit sechs Jahren immer mal wieder Reisebegleitung beim AMSEL e.V., der sich für Menschen mit multipler Sklerose einsetzt. Auch mit Menschen mit geistiger Behinderung bin ich schon im Urlaub oder auf Ausflügen gewesen. Dabei kam mir meine Ausbildung zur Schwesterhelferin innerhalb eines Freiwilligen Sozialen Jahres im Krankenhaus sehr gelegen.“, erklärt Irina im Interview. „Dadurch waren mir also viele Inhalte des BSK-Workshops bereits vertraut.“ Nichtsdestotrotz habe sie im Rahmen der Schulung vieles auffrischen können. „Mir war es wichtig, sinnvolle und hilfreiche Handgriffe zu lernen, damit weder mein Reisepartner noch ich zu Schaden kommen. Eine Assistenzkraft mit Hexenschuss nutzt nämlich wenig. Was ich zusätzlich interessant fand waren die neuen Hilfsmittel, die mir bei meiner letzten Ausbildung nicht gezeigt worden sind. So lernte ich unter anderem, wie man den Lifter am Bettrand einsetzt.“ Danach übten die Teilnehmer den richtigen Umgang mit dem Rollstuhl. Dieser Teil der Schulung kommt immer sehr gut an, da die Teilnehmer abwechselnd schieben und im Rollstuhl sitzen. „Nur so konnte ich wirklich ein Gefühl dafür bekommen, wie sehr man auf den Schieber angewiesen ist. Einmal bin ich sogar aus dem Sitz geflogen; man lernt also auf die eine oder andere Art den vorsichtigen Umgang mit dem Rollstuhl.“

In Begleitung des Seminarleiters zogen die Teilnehmer in Paaren los und überwanden Bordsteinkanten, Kieselwege und abschüssige Gehwege. Dabei lernten die Teilnehmer auch, auf die Rollstuhlfahrer einzugehen und sich mit ihnen abzustimmen, bevor sie schwierigere Manöver unternahmen. „Reisebegleiter sollten immer rückfragen und sich vergewissern, was der Reisepartner will und was nicht“, so Irina. Darauf bestand Karin bei der Auswahl ihrer Reiseassistenz ebenfalls. „Gute Assistenz beruht auf Gegenseitigkeit und Offenheit.“

Als sich Karin und Irina zum ersten Mal kennenlernten, wussten beide schon recht schnell, dass sie sich deswegen keine Sorgen machen mussten. „Ich habe Irina damals zu einem „neutralen“ Ort, sprich zu einem Eiscafé in München eingeladen“, erinnert sich Karin. „Wir merkten von Beginn an, dass wir gut miteinander klar kommen würden. Wir sind eben beide offen, ehrlich und unternehmungslustig; da kann nicht viel schiefgehen. Überhaupt kann ich beim ersten Treffen nur dazu raten, nichts voreinander zu verbergen, es kommt sowieso im Urlaub alles an den Tag.“

Insgesamt lief die Italien-Reise wie am Schnürchen. Irina erinnert sich an den ersten Abend: „Wir saßen zusammen im Centro Ferie Salvatore und unterhielten uns. Irgendwann hat man uns gefragt, in welchem Verhältnis wir zueinander stehen. Es stellte sich heraus, dass man uns für Verwandte hielt, obwohl wir uns wirklich noch nicht so lange kannten. Das hat uns schon zum Lachen gebracht, aber so gut war die Chemie eben zwischen uns.“

Der anschließende Tagesausflug nach Rom sollte die Kräfte beider Reisenden auf die Probe stellen. „Erst da sollte ich erfahren, welche Ausdauer Irina tatsächlich hat“, meint Karin anerkennend. „Von früh morgens bis abends Rolli schieben ist keine leichte Aufgabe. Doch auch in Rom erwies sie sich als zuverlässige Reisebegleitung. Ich war wirklich froh, sie dabei zu haben.“ Und da soll es nicht enden: Karin und Irina werden bald wieder gemeinsam aufbrechen, dieses Mal in die USA auf einer 3-Wochen-Rundreise mit Mietwagen.

Wer nach dieser Geschichte also auf den Geschmack gekommen ist und gerne als Reiseassistent/in verreisen möchte, sollte den Workshop „Reiseassistenz für Menschen mit Behinderung“ nicht verpassen. 

Reiseinteressierte mit Behinderung dagegen können einen Antrag auf Reiseassistenz bei BSK-Reisen einreichen, auf dem sie unter anderem angeben, welche Hilfeleistungen sie in Anspruch nehmen wollen, welche Fähigkeiten und Kenntnisse der Assistent mit sich bringen sollte (beispielsweise PKW-Führerschein) und welche Reisekosten der Antragsteller für die Assistenz übernimmt. Nach Möglichkeit sollte man für die Vermittlung einen Zeitraum von 2-3 Monaten einplanen.

Cory Elbrechter