Workshop „Reiseassistenz für Menschen mit Behinderung“ in Krautheim

„Es ist erstaunlich, dass man in so kurzer Zeit soviel Neues auf anschauliche Weise rüberbringen kann.“ So äußerte sich eine Teilnehmerin aus der Schweiz zum Workshop „Reiseassistenz für Menschen mit Behinderung“, und das schon am ersten Tag nach der Begrüßung.

Veranstalter des Workshops war der Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter. 17 lernbegierige Teilnehmer fanden sich in der BSK-Geschäftsstelle in Krautheim ein, um sich eine Woche lang mit der Theorie und Praxis der Reiseassistenz zu befassen.

Wo einige Kursteilnehmer schon aufgrund ihrer Ausbildung mit der Materie vertraut waren, hatten andere bis dahin wenig oder gar keine Erfahrung mit Menschen mit Körperbehinderung. Nichtsdestotrotz konnte jeder seinen individuellen Wissensstand erweitern und „das vom Kurs mitnehmen, was er für sich braucht“, so Edith von BSK-Reisen.

Zu Beginn des Workshops teilte der Pflegedienstleiter des Eduard-Knoll-Wohnzentrums, sein Fachwissen über Behinderungsarten mit den Kursteilnehmern. Daran anschließend wurde der pflegerische Umgang je nach Behinderungsart veranschaulicht.

Doch nicht nur motorische Behinderungen standen im Vordergrund: Unter dem Motto „Nicht so - sondern so“ zeigten die Referentinnen vom Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband anhand eines Kurzfilms und praktischer Übungen, wie man Blinde und Sehbehinderte richtig assistiert und das Gleichgewicht zwischen Nähe und Distanz findet. In einer Übung setzten sich die Kursteilnehmer abwechselnd Dunkelbrillen auf und führten einander durch das BSK-Gebäude – eine wahre Vertrauensprobe.

Frau Rudolf vom Eduard-Knoll-Wohnzentrum belebte den Workshop mit einer Einführung in den Umgang mit Hilfsmitteln. Um den Teilnehmern etwas zum Anfassen zu bieten, nahm sie ein breites Spektrum von Kathetern, Pflastern und Ausscheidungshilfen mit. Am darauffolgenden Tag war es sogar allen möglich, Hebe- und Tragetechniken mit sechs Bewohnern des EKWZ zu üben. Im Rahmen dessen kamen weitere Hilfsmittel wie der Lifter zum Einsatz. Steffen vom Eduard-Knoll-Wohnzentrum war auch dabei: „Die Teilnehmer hatten eindeutig großes Interesse. Wir vom Wohnzentrum haben einen guten Draht zu ihnen entwickelt.“

So gewannen die Kursteilnehmer zunehmend Respekt vor der Arbeit als Reiseassistent. Um einen Einblick in die Tätigkeit als Reiseassistenz zu vermitteln, wurden ein Reiseleiter und ein Reiseassistent eingeladen, die seit Jahren die Gruppenreisen der BSK-Reisen begleiten. Unter anderem legten sie den Kursteilnehmern ans Herz, kreativ an Problemstellungen heranzugehen und eine Vertrauensbasis zu den Reisenden aufzubauen.

Am Samstag kamen die Kursteilnehmer richtig in die Gänge, als sie im Umgang mit dem Rollstuhl unterwiesen worden sind. Nach einer theoretischen Betrachtung des Rollstuhls fanden sich alle in Paaren zusammen und bauten Rollstühle auseinander und wieder zusammen, um deren Funktionsweise nachzuvollziehen. Anschließend meisterten die Kursteilnehmer einen Rollstuhlparcours, in dem sie gegen Steigungen, Treppen, Bordsteinkanten und schwierige Bodenbeschaffenheit ankämpften. Hier wurde deutlich, dass sowohl der Rollstuhlfahrer als auch der Assistent Viel Kraft und Geschick aufbringen müssen, um Barrieren im Alltag zu überwinden.

Der nächste Workshop „Reiseassistenz für Menschen mit Behinderung“ findet vom 24.10. bis zum 29.10.2017 in Krautheim statt. Förderung erhielt der BSK von Aktion Mensch.